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Das Teatro Due Mondi wurde 1979 gegründet und begab sich von Beginn an auf eine lange Forschungsreise auf der Suche nach einer eigenen Art, Theater zu machen und zu erfinden. Alles, was wir anfangs wussten, war, was wir nicht sein und was wir nicht tun wollten. Schrittweise haben wir uns darangemacht, unsere Wünsche und Bedürfnisse herauszufinden und in unserer Arbeit umzusetzen.
Von Beginn an ähnelte unsere Arbeitsweise der des Freien Gruppentheaters, das in Italien aus der Bewegung der Theaterkollektive hervorging, während es sich an den Errungenschaften der historischen Avantgarde orientierte. Aus dieser Bewegung entwickelte sich das so genannten Terzo Teatro (Drittes Theater): ein Theater, in dessen Mittelpunkt der Schauspieler steht, ein Schauspieler der tausend Möglichkeiten, der unzählig viele technische Probleme zu lösen vermag.
Von 1986-1988 produzierten wir keine neuen Stücke, sondern zogen eine Zwischenbilanz, um die Arbeiten der ersten sechs Jahre miteinander zu vergleichen. Aus dieser Zeit der Reflexion sind das Stück Ubu Re und das Buch Come un bambino in rivolta, il libro di Ubu hervorgegangen, Arbeiten, die unser Selbstbewusstsein und unsere Identität stärkten.
Unsere Theaterarbeit umfasst drei Bereiche: Straßentheater ( Ay l'amor!, Fiesta, Oriente, L'incredibile storia della candida Erendira nach Marquez); Kinder- und Jugendtheater (Al Gran Teatro Di Mangiafuoco von Gigi Bertoni, Die Farm der Tiere nach Orwell, Il Cyrano di Bergerac (ovvero il cavaliere disuguale) nach Rostand, Belli pagliacci von Alberto Grilli, Il cerchio di gesso nach Brecht); Sprechtheater (Die Heilige Johanna der Schlachthöfe nach Brecht, La piccola casa dei grilli von Gigi Bertoni).
Auch wenn wir vor allem für feste Theaterorganisationen, -häuser und –festivals arbeiten, suchen wir ständig nach Mitteln und Wegen, unsere Stücke jenseits der offiziellen Zirkel zu zeigen und an Orten aufzutreten, wo wir neuen Zuschauern begegnen und wo die Vorstellung einen besonderen, neuen Sinn erhält: in Sozialzentren, an Schulen, in Vorstädten; an all denjenigen Orten, die vergessenes Grenzland, und gerade deshalb besonders empfänglich sind.
Seit einigen Jahren ist nicht nur die Zahl der festen Gruppenmitglieder und freien Mitarbeiter gestiegen, sondern auch unsere künstlerische Produktivität und die Anzahl der Engagements. Im Laufe der Zeit blieben wir zwar immer wir selbst, veränderten uns aber auch und entwickelten ein reiferes Bewusstsein für unsere Arbeit, das dank zahlreicher Produktionen, Workshop-Erfahrungen, Begegnungen mit Lehrern und nicht zuletzt während der Aufführungen unserer Stücke im In- und Ausland entstanden ist. (Jerzy Grotowski und Eugenio Barba gehören zu unseren Vorbildern und Lehrmeistern, auch wenn wir immer bestrebt waren, unsere Wurzeln nicht zu verkennen und eine eigenständige Poesie zu entwickeln, die in einem dialektischen Verhältnis zu den Lehren und Methoden der Meister stehen sollte).
Wir bezeichnen uns als Freies Gruppentheater, weil wir Tag für Tag gemeinsame Entscheidungen treffen. Immer noch betrachten wir unsere Arbeit als "Forschung": das Experimentieren ist ein lebenswichtiger Moment in einem komplexen pädagogischen, gemeinschaftlichen Prozess, als den wir unsere Theaterarbeit sehen.
Einige Aspekte unserer Arbeit sind uns besonders wichtig. Da ist zum Beispiel die alltägliche Zusammenarbeit, in der jeder Verantwortung für das gemeinschaftliche Projekt generell und für den eigenen Aufgabenbereich speziell trägt. Oder die Improvisation im kreativen Schaffensprozess als lebendiger Moment der Begegnung und Neufindung.
Es gibt viele Gruppen, die genau die gleichen Schwerpunkte setzen, aber wir fühlen uns nicht einem bestimmten Theatertyp verpflichtet und wollen auch nicht in eine spezielle Kategorie eingeordnet werden.
Diese ideelle Unabhängigkeit drückt sich auch in der Art und Weise aus, wie wir uns auf dem Markt behaupten. Nach einer langen Phase der Isolation haben sich verschiedene Möglichkeiten aufgetan, mit größeren Produktionszentren zusammenzuarbeiten. So sind während der letzten Jahre fünf Koproduktionen mit Emilia Romagna Teatro Fondazione- Teatro Stabile Pubblico Regionale und mit Accademia Perduta Romagna Teatri entstanden. Mithilfe beider Einrichtungen, die sich als wertvolle Partner herausstellten, konnten wir wichtige Produktions- und Marketingerfahrungen auf dem italienischen Markt machen, die weniger einem finanziellen als einem ideellen und projektbezogenen Plan folgten.
Wir wollen nicht unschuldig erscheinen oder so tun, als wüssten wir nicht, was der Markt wirklich bedeutet, welche Kräfteverhältnisse dort herrschen, nach welchen Gesetzen sich Situationen verändern (Gesetze des Dschungels). Wir wissen außerdem gut, was es bedeutet, bis zum letzten Blutstropfen zu kämpfen, um Subventionen zu erhalten. Aber wir wollen uns dessen bewusst sein, dass diese Widersprüche Teil unseres Berufs sind, den wir ja gewählt haben, und dass die Probleme sich nicht lösen, indem man ihnen aus dem Weg geht. Wo es geht, wollen wir gemeinsame Antworten finden.
Letztlich kommt die Seele unserer Arbeit, ihre Poesie und ihr politischer Anspruch zum Vorschein: in unserer Arbeit, ihrem Anspruch, in unseren Entscheidungen, im Zusammenspiel aus schöpferisch-produktiven Momenten und organisatorischer Arbeit.
Wie unterschiedlich zusammengesetzt das Publikum, vor dem wir spielen, auch sein mag, unsere Absicht bleibt immer dieselbe: einen ehrlichen und intensiven Dialog zu führen, der sich nicht in schlichter Konsumhaltung erschöpft. Deshalb brauchen wir außer der Arbeit in festen Theaterhäusern auch die Straßen und Plätze und vor allem die versteckten, problematischen Orte, wo eine wirklich sinnvolle und funktionierende Kommunikation mit den Zuschauern erst hergestellt werden muss.
Teilnahme an folgenden Festivals
2011
2010
2009
2008
2007
2006
2005
2004
2003
2002
2001
2000
1999
1998
1997
1995
1994
1993
1992
1991
1990
1989
1988
1987
1986
1985
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Organisation/Pädagogik
Ein anderer wichtiger Bestandteil des Gruppenlebens ist die Planung und Organisation von Veranstaltungen und Projekten im Bereich der Theaterpädagogik. In den letzten Jahren haben wir diese Projekte in Zusammenarbeit mit verschiedenen Stadtverwaltungen durchgeführt. Seit der Eröffnung unseres Theaterhauses Casa del Teatro im Jahr 2003 sind wir vor allem in unserer Stadt Faenza aktiv. Wir führen Projekte für verschiedene staatliche und private Zielgruppen durch (Schulen, Jugendzentren, Therapiegemeinschaften) und stimmen sie auf die unterschiedlichen Altersgruppen und Bedürfnisse der Teilnehmer ab (Studenten, Lehrer, Schauspieler, Kinder, Jugendliche, Erwachsene...).
Im Laufe der Zeit ist ein dichtes und solides Netz von Beziehungen entstanden, das es uns ermöglicht, mit einer zwar provokativen, aber auch konstruktiven Haltung auf unser engstes Umfeld einzuwirken. Unsere Wirkungsmöglichkeiten sehen wir hauptsächlich darin, einen Ort des gemeinsamen Wachsens und Nachdenkens zu schaffen, einen Ort der Begegnung zwischen Amateuren, Künstlern, Wissenschaftlern, Theaterschaffenden und Menschen, die nicht im Bereich des Theaters tätig sind. Einen Ort, an dem man etwas von sich preisgibt und gleichzeitig etwas Neues kennen lernt.